[Bilder des FV Peine-Ilsede zum Projekt ab 03-2017 in der Galerie]

Hannover, 20.07.2016

Projekt BAGGERSEE im Anglerverband Niedersachsen e.V. AV Nds logo

Kleine Gewässer werden bisher vom Naturschutz kaum beachtet. In Form von Baggerseen machen diese in Niedersachsen aber einen Großteil der Gewässerfläche aus. Nun macht es sich ein Verbundprojekt aus Wissenschaft und anglerischer Praxis namens BAGGERSEE zur Aufgabe, die Biodiversität genau in diesen unterschätzten Refugien zu fördern. Forschende und Petrijünger führen gemeinsam lebensraumverbessernde Maßnahmen in kleinen Baggerseen durch und überprüfen diese wissenschaftlich. Die Aktionen sollen nicht nur Fischen, Vögeln, Amphibien, Libellen, wirbellosen Wasserlebewesen und Pflanzen zugutekommen. Auch der Mensch profitiert von der Steigerung des ästhetischen und fischereilichen Werts seiner Erholungsgebiete am Wasser.
Das Verbundprojekt startete am 1. Juni 2016 und wird vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (Prof. Dr. Arlinghaus) geleitet. Partner sind die Technische Universität Berlin (Dr. Meyerhoff) und der Anglerverband Niedersachsen e.V. Gefördert wird BAGGERSEE über sechs Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Fördersumme beträgt rund 1,9 Millionen Euro.

Kleine Seen mit großer Wirkung?

Kleinere Seen unter 50 Hektar Wasserfläche werden von der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht erfasst. Genau diese machen im zweitgrößten Bundesland Deutschlands aber den Bärenanteil der Gewässerfläche aus – meist in Gestalt von Baggerseen. Über die ökologische Bedeutung der künstlich geschaffenen Kleinbiotope ist bisher jedoch wenig bekannt. Die meisten werden von Angelnden, Badenden und Spazierengehenden intensiv zur Naherholung genutzt. Aufgrund ihrer Hegeverpflichtung sind gerade Angelvereine aber nicht nur Nutzer, sondern auch wichtige Gestalter von Uferhabitaten und Fischbeständen. Im Projekt BAGGERSEE kooperieren nun Angelpraxis und Gewässerforschende, um die Erholungsnutzung von Baggerseen mit dem Erhalt der Biodiversität in Einklang zu bringen. Dabei kommen ausschließlich Methoden zum Einsatz, die auch nach Projektende von Angelvereinen selbstständig und in Eigenregie umgesetzt werden können. Insgesamt 20 Mitgliedsvereine des Anglerverbandes Niedersachsen e.V., zwei Privatpersonen und ein Naturschutzverein stellen dafür ihre Gewässer zur Verfügung.

 

Gemeinsam mit Kopf, Herz und Hand

Bis zum Jahr 2022 wollen die Projektbeteiligten Totholz in Baggerseen einbringen, Flachwasserzonen schaffen und dann die Auswirkungen auf die Biodiversität untersuchen. Der Effekt dieser Maßnahmen wird mit den Ergebnissen von traditionellem Fischbesatz verglichen (100 kg/ha Mischbesatz). Für die Erfolgsmessung arbeiten die Verbundpartner an 20 Baggerseen: In jeweils vier Gewässer wird Totholz in bis zu 20 % der Uferlinie eingetragen oder es werden Flachwasserzonen geschaffen. Ein weiteres Seen-Quartett bestücken Angler(innen) und Forschende mit Fischbesatz. Zudem werden vier beangelte Baggerseen untersucht, an denen keine weiteren Maßnahmen erfolgen sowie eine Vierergruppe naturbelassener Seen ohne jede Nutzung. An allen Gewässern überprüfen Ökologinnen und Ökologen die Entwicklung der Gesamtbiodiversität (Flora und Fauna) sowie der Fischbestände. Dafür sind jährliche Probebefischungen in Frühjahr und Herbst geplant. Den menschlichen Nutzen messen Forschende der Sozialwissenschaften mit Hilfe ökonomischer Bewertungsansätze.

 

Forschung mit der Praxis für die Praxis

Eine weitere wichtige Komponente des Projekts sind Fischbestandserhebungen in elf zusätzlichen Gewässern mit unterschiedlichen Uferstrukturen. Anhand dieser Befischungen und den Daten aus den 20 Maßnahmengewässern sollen die großflächigen Zusammenhänge zwischen der Gewässerstruktur und der (Fisch)Biodiversität aufgedeckt werden, um letztlich allgemeine Leitbilder zur Baggerseegestaltung auszuarbeiten. Im Ergebnis soll durch die fischereiliche Gewässerhege lokaler Angelvereine ein Nutzen für die Gesamtgesellschaft geschaffen werden, welcher über die Fischerei hinausgeht. Begleitet wird das Projekt durch umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen am Gewässer.

 

BAGGERSEE in Peine

Der Fischereiverein Peine-Ilsede und Umgebung e.V. beteiligt sich mit zwei Gewässern am Projekt BAGGERSEE. Im Gewässer Plockhorst wird der Effekt von Fischbesatzmaßnahmen intensiv untersucht. Hier werden insgesamt 100 Kilogramm Mischbesatz pro Hektar eingebracht, welcher sich aus Weißfischen, Schleien, Hechten und Zandern unterschiedlicher Größen zusammensetzt. Der Besatz erfolgt erstmals im Winter 2017/2018 und soll zwei Jahre später wiederholt werden. Zuvor werden der aktuelle Fischbestand untersucht, die Gesamtbiodiversität erhoben und die Maßnahmenumsetzung in gemeinsamen Workshops intensiv abgesprochen. Im Anschluss wird die Entwicklung der Gewässer und des Fischbestands wissenschaftlich begleitet und dokumentiert. Der Baggersee Wahle hingegen dient als Kontrollgewässer. Hier werden regelmäßige Befischungen und Erhebungen der Gesamtbiodiversität zeigen, wie sich Flora und Fauna unter anglerischer und sonstiger Nutzung entwickeln, wenn keine Maßnahmen durchgeführt werden.

 Quelle und weiterführende Informationen: http://www.av-nds.de/projekte/baggerseeprojekt.html